Deckelpokal mit emblematischem Dekor
Beschreibung
Pokal mit zugehörigem Deckel aus farblosem Glas , breiter Scheibenfuß mit versenktem und mattiertem Spitzblattfries mit polierter Mittelrippe, massiver Schaft aus facettiertem Baluster mit eingestochener Luftblase zwischen zwei kräftigen Ringscheiben. Angesetzt eine auslandende, becherförmige Kuppa, deren Ansatz den Spitzblattdekor wiederholt. Die Kuppawandung ist umlaufend in Mattschnitt mit einem Groteskendekor und vier runden Feldern mit Putten dekoriert, die mit Pfeil und Bofen hantieren, darin jeweils eine Inschrift: "Rien ne m'arreté" (Putto stößt Grenzstein um; "Je mourrais ou je l´emporterai" (Putto mit Kriegsfahne); "Tardif Amant fâcheux" (Putto schlägt mit dem Bogen nach einer Schildkröte); "Amour n'a point peur" (Putto mit Bogen und Palmwedel steht auf einem toten Hasen). Der Rand der Mündung sowie des Deckels ist mit einem geschliffenen Rundbogenfries verziert. Die Schulter des gebauchten Deckels nimmt den Groteskendekor der Kuppawandung wieder auf, der Übergang zum Knauf das Spitzblattmotiv, der mit einer Luftblase eingestochene Knaufbaluster ist wabenfacettiert. Ein facettierter kleiner Nodus schließt den Knauf ab. Die graphischen Vorlagen für die abgebildeten Putten auf diesem Pokal stammen aus der Augsburger Publikation "Emblematische Gemüths-Vergnügung" nach Daniel de La Feuille von 1693: Der Putto mit dem Grenzstein = Nichts widersteht mir dann der Todt (Taf. 17.1); Der Putto mit Kriegsfahne = Sterben oder überwinden (Taf. 19.6); Der Putto mit der Schildkröte = Liebe hasset die Faulen (Taf. 46.4); Der Putto auf dem toten Hasen = Wahre Liebe förcht nichts (Taf. 46.6). Ein stilistischer Vergleich verortet den Deckelpokal nach Potsdam, zwischen 1700 und 1720 (vgl. Götzmann/Kaiser, Gläserne Welten, 1917, Kat. 48, S. 114f.; Schmidt, Brandenburgische Gläser, 1914, Taf. 27.2). Er stammt aus dem Inventar von Schloss Schlobitten und wurde 1978 mit Mitteln der Deutschen Klassenlotterie aus der Sammlung Dohna erworben. Verena Wasmuth
Details und verwandte Objekte
Einordnung
Schlagworte
Dieses Objekt im Museum
Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.








