Die Geburt der Venus
Beschreibung
Die Geburt der Venus; nach Raffael. Kupferstich von Marco Dente, erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Dargestellt ist Venus, die Göttin der Liebe. Nach Hesiod wurde ihre griechische Entsprechung Aphrodite aus Schaum geboren, der entstand, als die abgeschnittenen Genitalien des ersten Himmelsgottes Uranus ins Meer fielen (Hesiod, Theogonie 176–200). Die nackte Venus, die teils von rechts, teils von hinten zu sehen ist, steigt aus schaumigen Wellen auf eine Muschelschale, während am oberen Bildrand (im Himmel) das vorausgegangene Geschehen dargestellt ist: Saturn (Kronos) schwingt einen Säbel, um seinen Vater Uranus zu kastrieren. Beschriftet im unteren Bild (in der Muschel) mit den verschlungenen Initialen „SR“, am unteren Bildrand mit „Ant. Sal. exc.“. Der Stich stammt von Marco Dente, der zur Werkstatt von Raffaels favorisiertem Kupferstecher Marcantonio Raimondi (um 1475-1534) gehörte. Er entstand nach einem Design Raffaels für die Stufetta del Cardinal Bibbiena, ein privates Badezimmer innerhalb der päpstlichen Gemächer des Vatikans, das 1516 mit mehreren erotischen Fresken geschmückt wurde. Dentes Druckplatte muss zwischen 1516 und 1527 entstanden sein. Die eingeritzte Adresse des Herausgebers Antonio Salamanca verweist darauf, dass es sich um einen späteren Abdruck handelt (Bartsch XIV.243.323), der aber noch der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zuzurechnen ist. | Wolfgang Rose
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Dieses Objekt im Museum
Die Stiftung Wredowsche Zeichenschule ging aus einer 1870 gegründeten gewerblichen Zeichenschule hervor. Hier sollten Handwerker in der ansprechenden, materialgerechten Gestaltung ihrer Produkte unterrichtet werden. Ab 1871 wurde die Schule von dem aus Brandenburg stammenden Berliner Bildhauer August Wredow (1804-1891) mit Geld, Unterrichtsmitteln und Kunstgegenständen unterstützt. Schon bald erhielt die Einrichtung daher seinen Namen. Wredow finanzierte größtenteils den Bau eines eigenen, 1878 eröffneten, Schulgebäudes. Um sein Engagement auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen, gründete der Mäzen 1883 die Stiftung und versah sie mit einem ansehnlichen Kapital. Nach seinem Tod erbte die Stiftung die gesamte private Kunstsammlung und Kunstbibliothek Wredows. In den folgenden Jahrzehnten war die Wredowsche Zeichenschule für zahlreiche Brandenburger eine wichtige Stätte eigener künstlerischer Erfahrungen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellten Stiftung und Schule ihre Arbeit ein und wurden erst 1990 wiederbelebt. Seit 1996 haben sie ihren Sitz wieder im historischen Schulgebäude am Wredowplatz in Brandenburg. Die staatlich anerkannte Kunstschule richtet sich hauptsächlich an Kinder und Jugendliche mit kreativem Interesse sowie an Handwerker. Das Unterrichtsspektrum ist modern und breit gefächert. Zeichnen, Malen, plastisches und experimentelles Gestalten, Kommunikationsdesign und Grafik, aber auch Zirkus- und Theaterkurse werden angeboten. Wesentliche Säulen der Stiftung waren von jeher die Kunstsammlung und die Kunstbibliothek. Der Bildhauer Wredow sammelte Kunstwerke und Bücher zunächst vermutlich auf Grund ihn interessierender künstlerischer Aspekte. Mit seinem zunehmenden Engagement für die Zeichenschule dürfte der Sammlungszweck stärker davon bestimmt worden sein, dass die Objekte einerseits als Anschauungsmaterial für den Unterricht dienten, andererseits die „Teilnahme des Publikums an der Pflege des guten Geschmacks“ (§ 2 c Stiftungsstatut) anregen sollten. Die Sammlung umfasst etwa 20.000 Objekte, hauptsächlich Druckgrafiken aus fünf Jahrhunderten, aber auch Gemälde und Skulpturen. Sie wird seit 1950, ebenso wie die historische Kunstbibliothek im Stadtmuseum Brandenburg aufbewahrt. Mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stadt Brandenburg wurde 2017 begonnen, die Bestände der Kunstsammlung aufzuarbeiten und schrittweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Da die Erfassung der Sammlung im Rahmen dieses Projektes noch nicht abgeschlossen ist, ist ihre Nutzung für wissenschaftliche, publizistische und andere Zwecke zurzeit nur stark eingeschränkt möglich.

