Die Kurbrandenburgische Flotte
Beschreibung
Das Gemälde des niederländischen Künstlers Lieve Verschuier (1630–1686) zeigt zahlreiche Schiffe der kurbrandenburgischen Flotte auf bewegter See. Etliche Segler sind anhand der Heckbemalung identifizierbar. Besonders gut lassen sich der Zweidecker „Friedrich Wilhelm zu Pferde“ auf der linken Seite und die „Carolus Secundus“ auf der rechten Seite von der in der Mitte gezeigten Jacht, genannt die „Grosse Yacht“, erkennen. Diese wird durch Salutschüsse willkommen geheißen. Auch heben die Männer an Deck der beiden großen Fregatten ehrfurchtsvoll ihre Hüte und verneigen sich vor dem auf der Jacht einfahrenden Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688). Das Gemälde stellt dar, wie der Kurfürst im Kreise seiner Berater die Flotte besichtigt. Imposant sticht die Gestalt des Kurfürsten hervor, denn er trägt einen goldenes Gewand, eine weiße Perücke und einen federgeschmückten Hut. Jedoch hat diese Begebenheit tatsächlich so nie stattgefunden. Als Verschuier das Bild 1684 signierte, befanden sich die meisten Schiffe der Flotte in der Werft. Im Auftrag von Kurfürst Friedrich Wilhelm schuf der niederländische Künstler diese idealisierte Ansicht der kurbrandenburgischen Flotte. Entgegen dem Rat seiner Minister plante der Kurfürst, seine Macht auf See auszubauen und den Überseehandel zu stärken. Mit der Unterstützung seines Generaldirektors der Marine, Benjamin Raulé (1634–1707), schuf er 1682 aus diesem Grund die Brandenburgisch-Afrikanische Kompanie und förderte den Bau der Festung Großfriedrichsburg an der westafrikanischen Küste. Das Gemälde markierte die eigentliche Gründung der kurbrandenburgischen Flotte durch den Erwerb von neun Schiffen am 1. Oktober 1684, die der Kurfürst zuvor von Raulé geliehen hatte. Im Vordergrund des Gemäldes segeln Kriegsschiffe, Zweidecker und Fregatten neben einem Handelsschiff und zwei Jachten. Einige dieser Schiffe ließ der Kurfürst in seiner Werft im preußischen Pillau bauen, andere kamen dagegen aus den Niederlanden. Er sah in der niederländischen Seemacht ein Vorbild für seine Ambitionen. So lieferte die Jacht des Statthalters der Vereinigten Niederlande, Wilhelm III. von Oranien (1650–1702), die Vorlage für die „Grosse Yacht“ der Flotte des Kurfürsten. Um die Seemächte Spanien und Schweden herauszufordern und von Spanien ausstehende Gelder einzutreiben, rüstete der Kurfürst seine Flotte für Kaperunternehmungen aus. 1680 eroberten kurbrandenburgische Schiffe die spanische Fregatte „Carolus Secundus“ vor Ostende. Die prominente Darstellung des Zweideckers im Bild erinnert an dieses historische Ereignis. Auf dem Gemälde segeln alle Schiffe unter kurbrandenburgischer Flagge. Die schwedische Krone hatte dies jedoch ausdrücklich untersagt, da sie Kurbrandenburg nicht zu den großen Seemächten zählte. Der Kurfürst fügte sich diesem Verbot nicht. Im Bild zeigt sich sein Widerstand anhand der zahlreichen Flaggen und Wimpel – viel mehr als die Schiffe tatsächlich gehisst hatten. Das Bild befand sich vermutlich seit seiner Fertigstellung im Berliner Schloss. Es hing im 18. Jahrhundert nachweislich in der dortigen Bildergalerie. Kaiser Wilhelm II. präsentierte es Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Arbeitszimmer. Aktuell befindet es sich im Schloss Oranienburg. Carolin Alff
Details und verwandte Objekte
Einordnung
Schlagworte
Dieses Objekt im Museum
Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

