Lindner, Daniel CC BY-NC-SA

Beschreibung

Für die Zeichenkunst in Brandenburg-Preußen sind aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nur wenige Zeugnisse überliefert. Sie stammen vorwiegend von denjenigen niederländischen Künstlern, die in den Diensten des kurfürstlichen Hofes standen wie Abraham Begeijn (Landschaften) und Rütger van Langerfeld (dekorative Zeichnungen).Überaus rar sind zeitgenössische Porträtzeichnungen von Angehörigen der kurfürstlichen Familie. Dazu zählt dieses Bildnis der Kurfürstin Dorothea. Das schon wegen seiner Größe beeindruckende Blatt zeigt die Kurfürstin auf einem dunklen kraftvollen Pferd reitend – nicht im vornehmenden Damen-, sondern im „männlichen“ Reitersitz. Die Quellen berichten, dass Dorothea eine exzellente Reiterin und passionierte Jägerin war. Hoheitsvoll blickt die Kurfürstin ihre Betrachter an. Das Porträt entspricht dem von Jan de Baen und Jacques Vaillant geprägten „Dorotheentypus“ mit einem herben Gesichtsausdruck und fülliger Lockenpracht. Meisterhaft sind die dekorativen Partien der Zeichnung ausgeführt: das Brokatkleid mit Perlenschmuck und armlangen Handschuhen. Das um die Taille drapierte Tuch flattert im Wind – auch dies ein Symbol für die kraftvolle Energie und herrschaftliche Selbstinszenierung der kurfürstlichen Landesmutter. Das Pferd ist mit anatomischer Sicherheit dargestellt, feinste Nuancierungen in den Schraffuren geben den muskulösen Körper und das seidige Fell wieder. Hinter der Reiterin erscheint eine mit leichten, sicheren Strichen hingeworfene Landschaft mit einer Hirschjagd. Die Zeichnung steht im engsten Zusammenhang mit dem nur in Details veränderten großformatigen Gemälde der Kurfürstin Dorothea als Reiterin, das sich im niederländischen Schloss Amerongen befindet. Gemeinsam mit dem Pendant – einem Reiterbildnis des ‚Großen Kurfürsten‘ – hängt es dort als Kaminstück im Großen Saal. Die Gemälde sind wie die Zeichnung nicht signiert. Stilkritische Analysen, Quellenrecherchen und Vergleiche lassen eine Zuschreibung an den aus Nijmwegen stammenden Maler, Architekten und Mathematiker Rütger van Langerfeld zu. Er war seit 1678 in Berlin tätig. Zu seinen Werken gehörten u. a. zwei Reiterbildnisse des ‚Großen Kurfürsten‘ (nachweisbar 1682 im Schloss Köpenick, 1690 im Potsdamer Stadtschloss). Ein nahezu lebensgroßes Reiterbildnis mit der Eroberung von Stralsund befindet sich in der SPSG (GK I 50436). In Malstil und Komposition entspricht die Zeichnung weitestgehend dem Ameronger Gemälde. Da über die Darstellung der Kurfürstin Dorothea eine feine Quadrierung gelegt ist, diente die Zeichnung ohne Zweifel als Vorlage für eine Übertragung ins Große, vermutlich für das Gemälde im Schloss Amerongen. Diese Bilder waren Geschenke des brandenburgischen Kurfürsten an den langjährigen Gesandten der Niederländischen Provinzen in Berlin, Godard Adriaan van Reede. Der hohe Grad an künstlerischer Ausarbeitung der (Vor-) Zeichnung könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Blatt den Auftraggebern zur Approbation vorgelegt wurde. Eine Zuschreibung an Langerfeld ergibt sich auch durch Vergleiche mit den von ihm entworfenen Bildkompositionen für die Teppichserie mit den Taten des Großen Kurfürsten. Das fürstliche Reiterbildnis gehörte zu den repräsentativsten Darstellungsformen des barocken Herrschers. Im Nachlass der 1689 verstorbenen Kurfürstin befanden sich zwei dem Maler Matthäus Merian d. J. zugewiesene Reiterporträts Dorotheas. Neben einer Darstellung der Kurfürstin „auf einem weißen Pferd in Lebensgröße“ stammte von diesem Künstler wohl auch ein Doppelbildnis des Kurfürstenpaares zu Pferde, das mit 300 Reichstalern zu den am höchsten taxierten Gemälden gehörte. Claudia Sommer (2020)

ObjektartGraphik
MaßeBlatt: Höhe: 44.80 cm Breite: 39.40 cm
MaterialPapier, Pinsel, über Graphitstift, Tusche, Weiß gehöht
InventarnummerGK II (6) 52
Stand der Infomationen2025-02-05 21:23:51
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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