Medaille als Geschenk für fremde Gesandte, Kurfürstentum Mark Brandenburg, Herzogtum Preußen, Kurfürst Friedrich Wilhelm (1640-1688), o. J. (um 1650)

Lies, Wolfgang / Schwarz, Ilona (2014) CC BY-NC-SA
Lies, Wolfgang / Schwarz, Ilona (2014) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Die Medaille entstand bald nach dem Westfälischen Frieden 1648 als Gabe für Gesandte und Würdenträger. Der Friedensvertrag hatte den deutschen Fürsten ihre Souveränität bestätigt, gewährte ihnen das Recht selbständig Bündnisse mit anderen Mächten einzugehen. Zwar konnte der brandenburgische Kurfürst territoriale Gewinne verbuchen, die Preisgabe und Fremdbesetzung von Teilen des ihm laut Erbvertrag vom 30. Juli 1571 zustehenden Pommerns blieb ihm jedoch eine Anfechtung. Sie führte in den kommenden Jahrzehnten wiederholt zu kriegerischen Auseinandersetzungen, Verhandlungen und Vertragsabschlüssen mit den europäischen Großmächten. Größe, Gewicht und Gestaltung machen die Medaille zu einem barocken Repräsentationsstück und diplomatischen Präsent par excellence. Das Brustbild des Kurfürsten ist im Prunkharnisch, eine Löwenkopfmaske am Arm, mit Mantelüberwurf und modischem Kragen in Dreiviertelansicht nach rechts widergegeben. Weniger Porträtähnlichkeit, mehr die herrscherliche Attitüde war gefragt. Das Bildnis steht in einem figürlich-floralen, vom Kurhut bekrönten Schmuckrahmen, was den repräsentativen Charakter erhöht. Auf der Rückseite ist der brandenburgische Adler in heraldischer Form mit den 24 Wappen der von Friedrich Wilhelm beherrschten und beanspruchten Territorien dargestellt. Der ihm aufgesetzte Kurhut und das Zepter im Brustschild verdeutlichen die Kurwürde und das Amt des Reichserzkämmerers. Die Darstellung entspricht dem Adlerwappensiegel, wie es der Kurfürst von 1648 bis etwa 1665 benutzte, was den Vergabezeitraum der Medaille eingrenzt. Beide Medaillenseiten bilden nicht nur mit Herrscherporträt und Wappentier, sondern auch in der fortlaufenden Titulatur eine Einheit. Die Umschrift der Vorderseite nennt jene Titel, die mit der brandenburgischen Kurwürde verbunden waren, gleich darauf folgt Magdeburg, entsprechend seiner herausgehobenen Stellung im Reich als ehemaliges Erzstift - erst nach 1663 wurde Preußen in der Titulatur vor Magdeburg gesetzt. Rückseitig folgt die Nennung von Stettin, Pommern, Cassuben, Vandalor, Crossen, Burg, Halberstadt, Minden, Ravensburg und Ravenstein. Die Urheberschaft der Medaille ist nicht zweifelsfrei geklärt. Oelrichs nennt lediglich die unter dem Porträt des Kurfürsten deutlich erkennbare Signatur CM und die am Schmuckrahmen neben dem Puttenkopf getrennt stehenden Initialen IH, ohne sie auf bestimmte Medailleure zu beziehen. Die jüngste Forschung verweist auf den Nürnberger Medailleur Christian Maler (1578-1648). Zum Zeitpunkt des Medaillenauftrages war Maler mit siebzig Jahren für die damalige Zeit hochbetagt. Mit Johann Höhn d. Ä. (1607-1664) stand ein ausgezeichneter, für den Kurfürsten in den ersten Regierungsjahrzehnten wiederholt tätiger Medailleur bereit. Dies und die Positionierung der beiden Signaturen legt den Schluss nahe, dass Maler den Entwurf lieferte und Höhn den Stempelschnitt ausführte. SPSG, Sammlung Dohna Claudia Meckel

ObjektartMedaille
MaßeHauptmaß: Durchmesser: 7.56 cm Gewicht: 124.40 g
MaterialSilber, geprägt
BeschriftungSignaturen: I H; C M (Vs) Vs: Umschrift: FRIDERICUS WILHELMUS D. G · MARCH · BRAND · S · R · I · ARCHICAM · ET P · ELECT. MAGD. PRUS · IUL · CLIV . MONT : Rs: Umschrift: STET · POM · CAS . VAND . IN SIL · CROS · ET CAR · DUX BURG · NOR · PR · HALB · ET MIND. COM · MARCH · ET RAV . DN, IN RAVE :
InventarnummerX 3804
Stand der Infomationen2025-02-05 21:23:51
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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