Tapisserie "Kartenspielende Gesellschaft", Folge Italienische Komödie

Pfauder, Wolfgang (2021) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Der Bildteppich "Kartenspielende Gesellschaft" gehört zu der Serie "Italienische Komödie", die um 1745 in der Berliner Manufaktur Charles Vigne angefertigt wurde. Drei Personen sitzen um einen mit einem Teppich bedeckten Tisch und spielen Karten. Zwei stehende Figuren beobachten das Spiel. Es sind bisher keine Vorbilder für die Figurenkomposition bekannt geworden. Allen Tapisserien der Serie ist gemeinsam, dass die meist aus der französischen Malerei übernommenen Figuren der Commedia dell’arte auf einer Bühne agieren. Die Kulisse bildet ein architektonisch-formaler Barockgarten, teilweise mit Broderieparterres, Bosketten, Orangenbäumen, Pavillons und Treillagen, der von der Bühne im Vordergrund des Bildes abgegrenzt ist. Hier treten die Komödianten auf, umrahmt von einer Bogenstellung mit herabhängenden Blumengirlanden. Welcher Künstler die Stiche nach Antoine Watteau, Nicolas Lancret oder Jean-Baptiste Pater jeweils in eine Vorlage für die Tapisserie-Wirker, den sogenannten Karton, umwandelte, ist nicht belegt. Möglicherweise könnte Antoine Pesne die Kartons für die ganze Serie angefertigt haben, weil in schriftlichen Quellen Wandteppichentwürfe ähnlichen Themas von Pesne für den Würzburger Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn erwähnt sind (abgedruckt bei Heinrich Göbel: Wandteppiche, Teil 3, Die germanischen und slawischen Länder, Band 1, Deutschland einschließlich Schweiz und Elsass (Mittelalter), Süddeutschland (16. bis 18. Jahrhundert). Leipzig 1933, S. 306). Stilistische Gründe sprechen jedoch dagegen. Pesne hätte vermutlich die französischen Vorbilder in eigene Bilderfindungen umgewandelt. Die Folge wurde erst 1762 aus den Beständen der damals im Niedergang begriffenen Manufaktur Vigne für das Schloss Charlottenburg erworben. Die Plünderungen des Schlosses durch russische und österreichische Truppen im Oktober 1760 hatten zum Verlust der ehemals französischen Tapisserien in den beiden Vorzimmern der Paradekammern Friedrichs I. geführt. Durch den Ankauf vorhandener Bildteppiche aus Vignes Lagerbeständen ermöglichte man eine schnelle Wiederherstellung der Räume in Charlottenburg mit Tapisserien. Damit behielt man die Art der Wandverkleidung bei, die hier seit dem frühen 18. Jahrhundert unter Friedrich I. tradiert war, obwohl sie schon lange unmodern geworden war. Dass aus dem Angebot der Vigneschen Manufaktur ausgerechnet die Folge „Italienische Komödie“ ausgewählt wurde, könnte ganz pragmatisch an der passenden Größe für die Räume gelegen haben. Möglich wäre aber auch, dass die Übereinstimmung der in den Tapisserien dargestellten formalen Gärten mit dem realen Schlosspark direkt vor den Fenstern der Paradekammern in Charlottenburg für die Auswahl entscheidend war. Die Tapisserie "Kartenspielende Gesellschaft" hängt in der Ersten Hautelisse-Kammer (Erstes Vorzimmer, R.103) der Paradekammern im Mittelbau des Schlosses Charlottenburg (Altes Schloss). Seit dem frühen 19. Jahrhundert hat es in diesem Raum mehrere Umgestaltungen gegeben, so dass nur noch schwer zu rekapitulieren ist, welche der heute hier gezeigten Bildteppiche der Italienischen Komödie von Anfang an in diesem Raum vorhanden waren. Von den sieben Stücken der Serie in den Beständen der SPSG werden heute sechs in der Ersten und Zweiten Hautelisse-Kammer gezeigt. Susanne Evers (2021)

Objektart Teppich
Maße Hauptmaß: Höhe: 318.00 cm Breite: 310.00 cm
Material Wolle und Seide, gewirkt (Hautelisse)
Inventarnummer IX 1137
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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