Der Richtblock aus dem Wusterhausener Rathaus steht in der Dauerausstellung des Wegemuseums. Gemeinde Wusterhausen/Dosse - Helmut Klohs CC0

Beschreibung

Aus einem Stammstück gefertigter Richtblock mit Auskerbung und Ring für eine Kette Dendrochronologisch ist das Fälldatum des Stammes datiert auf 1812 +/- 10 Jahre. Der Richtblock hat wohl noch 1875 im Rathaus gestanden, in dem auch das städtische Gericht bzw. nach der Gerichtsreform 1849 das Amtsgericht ansässig war. Inwieweit der Richtblock tatsächlich zum Einsatz bei Hinrichtungen gekommen ist, lässt sich nicht sagen - Blutspuren wurden nicht nachgewiesen, Hinrichtungen sind nicht überliefert. Das Richten mit dem Beil und Richtblock wurde im Königreich Preußen per Kabinettsorder vom 19.6.1811 eingeführt und das Richten mit dem Schwert verboten. Die Datierung passt in diesen Zeitraum. Der aus einem Eichenstamm gefertigte Block ist grob gehauen und weist tiefe Risse auf. Die Oberfläche ist sehr rau. Es ist eine halbrunde Aussparung eingearbeitet, in der der Kopf des Delinquenten mit einem Lederband fixiert wurde. Das Band wurde an Ringen rechts und links befestigt. Auf der rechten Seite ist noch ein großer Metallnagel zu sehen, an dem wohl der Ring befestigt war. An der anderen Seite ist nur noch ein Nagelloch erkennbar. Unten am Block ist noch einer von zwei Ringen erhalten, diese dienten der Fesselung der Arme. Die Lage des zweiten Rings ist durch ein Nagelloch erkennbar. Der mündlichen Überlieferung nach soll der Richtblock sich im Rathaus befunden haben und von den Häftlingen zum Hacken von Brennholz benutzt worden sein, was sich wohl auf die Zeit nach 1945 bezieht. Die Nutzung als Hackklotz könnte die starke Aufrauung der Oberfläche erklären. Eine ältere Erwähnung des Richtblocks besagt: "Nur ein Block für diejenigen, die enthauptet werden sollen, ist auf unsre Zeit gekommen. Den äußern Anzeichen nach scheint er jedoch unbenutzt geblieben zu sein." (Iskraut, 1875)

Objektart Richtblock
Maße B 34 cm L 23 cm H 59 cm
Material Eichenblock, Metallring
Inventarnummer DE-MUS-830613_0000400
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Wegemuseum Wusterhausen/Dosse CC BY-NC-SA

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Wegemuseum Wusterhausen/Dosse

Das Wegemuseum widmet sich dem Phänomen der historischen Wege als Verkehrs- und Kommunikationsmittel. Angefangen vom Bohlenweg und Flussschifffahrt bis hin zum Transitverkehr an der F5 wird der Wandel der Wege in einer Kleinstadt im Nordwesten Brandenburgs über 3000 Jahre hinweg vermittelt. Spannende Installationen und modernes Ausstellungsdesign laden ein zum interaktiven Entdecken und Erleben von Wegegeschichten. Eine vielfältige Palette an Veranstaltungen und Ausstellungen zum Thema Wege und Region ergänzt die Dauerausstellung. Unter dem Dach des stadtbildprägenden Barockhauses befinden sich neben dem Wegemuseum die Bibliothek, die Tourismusinformation und die Galerie Alter Laden, in der Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Der idyllische, historische Innenhof des Herbst’schen Hauses lädt im Sommer zu Freilichtveranstaltungen ein.

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