Lindner, Daniel (2021) CC BY-NC-SA
Lindner, Daniel (21.12.2021) CC BY-NC-SA
Lindner, Daniel (21.12.2021) CC BY-NC-SA
Lindner, Daniel (21.12.2021) CC BY-NC-SA
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Beschreibung

1813/14 modellierte Ridolfo Schadow erstmals die "Sandalenbinderin". Die Skulptur gilt als eines seiner populärsten Werke. Ohne Attribute und Beiwerk fasziniert das Motiv damals wie heute durch seine Schlichtheit. In einer Momentaufnahme hält der Künstler das gedankenverlorene Innehalten eines Mädchens beim Binden ihrer Sandale fest. Ein Kupferstich machte sie weithin bekannt. 1820 fertigte Schadow dieses Exemplar der Sandalenbinderin an, das der preußische König Friedrich Wilhelm III. erwarb und im Königlichen Palais in Berlin platzieren ließ. Dem äußeren Anschein nach ist die "Sandalenbinderin" von Ridolfo Schadow die jüngste der drei sitzenden Mädchen aus der Gruppe, die 2022 erstmals unter dem Titel "Das Urteil des Amor" im Schloss Charlotttenburg in Berlin ausgestellt ist. Ein Mädchen mit einem um die Hüften gelegten Tuch bindet die Bänder ihrer Sandale zusammen. Sie ist nicht in Eile. Der leicht geneigte Kopf und die ruhenden Hände zeichnen ein Innehalten nach. Ihr einziger Schmuck ist der kunstvoll geflochtene Haarknoten an ihrem Hinterkopf. Die Sandalenbinderin gilt als Ridolfo Schadows bekannteste Skulptur. Er fertigte sie fünf Mal in Carrara-Marmor an (heute: München, Neue Pinakothek; South Carolina, Middleton Palace; Privatbesitze). Sie wurde zudem gezeichnet, in Porzellan und als Kupferstich reproduziert. Sogar ein Gedicht ist ihr gewidmet. Die Sandalenbinderin. Statue von Schadow dem Jüngeren in Rom. Aglaia sitzt, fest knüpfend die Sandalen, Es schweift ihr Blick in ferner Zukunft Land, Noch regt im Busen sich nur Spiel und Tand, Doch sieht sie nah den Kelch der Jugend strahlen. O holdes, süßes Kind! Auch du mußt zahlen Des Schmerzens Zoll, entfernst du dich vom Strand, Hat Leidenschaft dein Lebensschiff bemannt, Die Kindesbrust schwillt höher unter Qualen. Sie fühlt es und schlägt ihre Augen nieder, Ihr Sinnen hällt die jugendlichen Glieder In stiller Ruh, wie in Erwartungstraum. Dies ist des Marmorbildes Deutung. – Kaum Gab ich, was dort der Künstler wahr und bieder Erschaffen, hier in Wort und Klängen wieder. Elise von Hohenhausen, in: Zeitung für die elegante Welt, Nr. 240, 1821, Sp. 1913. Das Motiv einer sitzenden Figur, bei der ein Fuß auf dem Knie des anderen Beines abgelegt ist, erinnert an die Pose der antiken Skulptur des Dornausziehers (1. Jh. v. Chr.). Dieses Bronzebildwerk eines Jünglings, der sich einen Dorn aus seiner linken Fußsohle entfernt, ist seit dem 12. Jahrhundert in Rom dokumentiert. Seit Ende des 15. Jahrhunderts konnte der Dornauszieher in der Sammlung des späteren Kapitolinischen Museums von Rombesuchenden gesehen werden. Lediglich in den Jahren zwischen 1798 und 1816 war die Skulptur in Folge des Vertrages von Tolentino als Reparationsleitung mit anderen römischen Kunstschätzen nach Paris gebracht worden. Da Schadow 1813 mit der Modellierung der Sandalenbinderin begann, konnte er folglich nicht auf eigene Anschauung des Dornausziehers zurückgreifen. Möglicherweise deutet die gespiegelte Haltung der Sandalenbinderin in diesem Zusammenhang auf Schadows Studien von Kupferstichen hin. Ein weiteres Bildwerk könnte als Vorbild zur Sandalenbinderin gedient haben: Die Skulptur "Adelheid von Humboldt als Psyche" modellierte Christian Daniel Rauch (1777-1857) im Jahr 1810 in Rom (in Marmor ausgeführt 1826, Berlin, Schloss Tegel). Die Figur zeigt mehrere Momente auf, die Schadow zu seinem Bildwerk inspiriert haben könnten. Rauchs kindliche Psyche sitzt, mit einem Tuch um die Hüften geschlungen, auf einem Felsen. Nur wenige Attribute, wie der kleine Schmetterling in ihrer Hand, verweisen auf das mythologische Thema. Ihr Blick schweift zu einem Punkt, der ihre Aufmerksamkeit erregt hat. 1816 präsentierte Ridolfo Schadow einen Gipsabguss der "Sandalenbinderin" auf der Kunstausstellung der Berliner Akademie der Künste. Er erhielt positive Kritiken und wurde für seine „bedeutsamen Fortschritte“ gelobt. Doch erst die Marmorausführung, die 1821 zusammen mit der "Spinnerin" im Berliner Atelier des Vaters ausgestellt wurde, erregte die Aufmerksamkeit des preußischen Königs. Friedrich Wilhelm III. erwarb beide Figuren. Nach einer zwischenzeitlichen Aufstellung im Berliner Schloss gelangten sie 1824 in den Gelben Marmorsaal des Königlichen Palais Unter den Linden (Kronprinzenpalais) in Berlin. Rückblickend gilt die "Sandalenbinderin" als Ridolfos wichtigstes Werk. Sie ist im Hintergrund auf Wilhelm Schadows Gemälde "Selbstbildnis mit dem Bruder Ridolfo Schadow und Bertel Thorvaldsen" zu sehen und ziert auch das Relief auf dem Grabmal des früh verstorbenen Bildhauers in der römischen Kirche S. Andrea delle Fratte. Sylva van der Heyden (Lit.: Eckardt, Götz: Ridolfo Schadow. Ein Bildhauer in Rom zwischen Klassizismus und Romantik, Köln 2000 (LETTER-Schriften, 13), S.86, WVZ 32.5)

Objektart Statue
Maße Hauptmaß: Höhe: 118.00 cm Breite: 58.00 cm Tiefe: 66.00 cm
Material Marmor
Inventarnummer Skulpt.slg. 2822
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

Dieses Objekt im Museum

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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