Berlin, Stadtschloss, Nordflügel, 1. OG, Königskammern. unbekannt (vor 1945) CC BY-NC-SA
Tafel XXX (Mitte) aus: „Erläuterungen der Abbildungen von den Bildhauer-Arbeiten des Johann Gottfried Schadow, seines Sohnes Ridolfo Schadow und der Transparent-Gemälde des Professors Kolbe, nach Gedichten des Wolfgang von Göthe. Berlin 1849“, Signatur KPM Alt 115, SPSG, KPM-Archiv (Land Berlin). Pfauder, Wolfgang (2022) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Ehemals Schloss Berlin, GK III 953, Verlust Seit November 1826 bereicherte das Bildwerk „Achill und Penthesilea“ von Ridolfo Schadow die Skulpturensammlung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Es stand bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in einer Nische im gelben Säulensaal im Berliner Schloss. Diese Marmorskulptur gilt als eine der letzten, an der Ridolfo Schadow eigenhändig gearbeitet hatte. Im Spätherbst 1818 begann Schadow mit der Modellierung seiner Skulpturengruppe, deren Ruhm sich schnell durch die italienische und deutsche Presse verbreitete. Anfang 1819 hatte er eine Gipsversion der Gruppe des trojanischen Kriegers und der sterbenden Amazonenkönigin in seinem Atelier fertiggestellt, worüber die italienische „Notizie del Giorno“ äußerst positiv berichtete. 1821 informierte das „Kunst-Blatt / Morgenblatt für gebildete Stände“ gleich mehrfach über Schadows Werk und vermeldete am 14. Mai, dass der preußische König eine Unterstützung zur Ausführung der Gruppe in Marmor zugesagt hätte. Schadow erhielt einen Vorschuss von 4000 Talern, mit dem er den nötigen Carrara-Marmor kaufen konnte. Die Vereinbarung enthielt zudem die Klausel, dass, sollte die fertige Skulptur gefallen, der König das Vorkaufsrecht für weitere 5000 Taler hätte. Schadow maß diesem Werk eine große Bedeutung zu und teilte seinem Vater mit: „ich verspreche mir viel von dieser Arbeit, u. will recht viel daran setzen ein classisches Werk daraus zu machen“ (ZA SMB PK, NL Schadow 182, 28.7.1821). Schadows unerwarteter, früher Tod am 31. Januar 1822 versetzte seinen Vater in die Not, unvollendete Aufträge erfüllen zu müssen. Für die Fertigstellung der Achill und Penthesilea-Gruppe sprachen sich die Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844) und Pietro Tenerani (1789-1869) aus. Im Herbst 1822 reiste der bei Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch (1777-1857) ausgebildete Bildhauer Emil Wolff (1802-1879) nach Rom. Wolff, der Vetter Ridolfo Schadows, vollendete, durch Thorvaldsen überwacht, die Bearbeitung in Marmor. Im Februar 1825 bezahlte der preußische König den verbliebenen Betrag und erwarb somit das ausgeführte Bildwerk. Schadows Komposition von Achill und Penthesilea ist seine einzige mehrfigurige, lebensgroße Skulptur. Besonders spannungsreich und tragisch ist der gewählte Moment aus dem Sagenkreis des Trojanischen Krieges: Die Amazonenkönigin Penthesilea sinkt tödlich verwundet zu Füßen ihres Widersachers Achill zusammen. Achill, der im Moment der Attacke erkannt hat, dass er sie bewundert und liebt, stützt und schützt ihren Körper. Seine Rechte ist zum Verteidigungsschlag erhoben. Schadow gelang es, zwei Figuren auf einer relativ kleinen Plinthe zu gruppieren, indem er Penthesileas niedergesunkenen Körper zwischen den Beinen des Achill positionierte. Die Komposition erinnert entfernt an die antike Figurengruppe der Gallier Ludovisi (Rom, Museo Nazionale Romano), deren Deutung als ein Selbstmord übender Gallier durch den Archäologen Ennio Quirino Visconti (1751–1818) vorgeschlagen wurde: Der gallische Krieger steht in breiter Schreitstellung und stützt mit seiner linken Hand den zusammengesunkenen Körper seiner Frau. Mit seiner rechten Hand stößt er sich das Schwert in den Oberkörper. Auch Schadows Mentor und Freund Bertel Thorvaldsen hatte diesem Thema 1801 eine zweifigurige Gruppe gewidmet. Diese ist in einem Bozetto überliefert (Kopenhagen, Thorvaldsen Museum, Nr. A 777). Anders als Ridolfo Schadow verzichtete Thorvaldsen auf kriegerische Attribute und wählte eine intimere Darstellung des tragischen Augenblicks zwischen Achill und der sterbenden Penthesilea. Zeitgenossen rühmten Schadows Modell für das genau richtige Maß an sprechender Handlung und an Ausdruck des Gemütszustands. Besonders malerisch fiel die Beschreibung der Skulpturengruppe im „Kunst-Blatt“ vom 4. Januar 1821 aus: „Der Held muß den eigenen Sieg betrauern, die er überwunden muß er bewundern; in der Gegnerin hat er die Geliebte getödtet, und sieht sich genöthigt, die Rechte der Feindin gegen die eignen Verbündeten zu vertheidigen.“ (Kunst-Blatt / Morgenblatt für gebildete Stände, 4.1.1821) Ludwig Buchhorn (1770-1856) zeichnete die Gruppe, entweder nach einer Zeichnung von Ridolfo Schadow oder wahrscheinlicher nach der fertiggestellten Marmorgruppe. Carl Becker (1827-1891), Buchhorns Schüler, setzte das Motiv in einem Kupferstich um, der 1849 in dem Band „Erläuterungen der Abbildungen von den Bildhauer-Arbeiten des Johann Gottfried Schadow, seines Sohnes Ridolfo Schadow und der Transparent-Gemälde des Professors Kolbe, nach Gedichten des Wolfgang von Göthe. Berlin 1849“, Tafel XXX (Mitte) publiziert wurde. Sylva van der Heyden

Objektart Gruppe
Maße Hauptmaß: Höhe: 225.00 cm - Postament: Höhe: 117.00 cm Breite: 154.00 cm Tiefe: 97.00 cm
Material Marmor
Inventarnummer GK III 953
Stand der Infomationen 2024-03-22 02:44:58
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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