Berliner Schloss, Weißer Saal, Ansicht nach Süden

Lindner, Daniel (2016) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Darstellung des Weißen Saales im Berliner Schloss nach dem Umbau und der Erweiterung ab 1892, die Kaiser Wilhelm II. durch den Hofarchitekten Ernst von Ihne ausführen ließ. Der Raumeindruck wird geprägt von der spiegelnden Oberfläche des Fußbodens, den kolossalen Pilasterpaaren auf hohen grünen Sockeln sowie der stark vergoldeten Kassettendecke, die sich über den Festsaal spannt. An der Schmalseite fällt der Blick auf die Diplomatenloge und die Aufgänge zur Weißen-Saal-Treppe. In der Mitte der Fensterwand steht der rote Thronbaldachin des Kaisers. Eine von drei Innenraumansichten aus preußischen Hohenzollern-Schlössern in kräftigem Kolorit, die auf gleichgroße farbige Kartons mit breiten Goldschnittkanten kaschiert sind. Es handelt sich um Vorstudien oder verkleinerte Wiederholungen von Wandbildern, die Grete Waldau für den prachtvoll ausgestatteten Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm II.“ des Norddeutschen Lloyd schuf. Der Kaiser, der als Namensgeber 1902 dem Stapellauf in Stettin beiwohnte, war ein großer Bewunderer der Malerei Grete Waldaus. Er hatte die Künstlerin für diesen Auftrag empfohlen und die Motive für die vier Wandgemälde im Großen Salon des Passagierdampfers selbst bestimmt. Bekannt sind davon jedoch nur die drei als Aquarelle überlieferten Ansichten vom Weißen Saal und der Polnischen Kammer im Berliner Schloss sowie vom Konzertzimmer Friedrichs II. im Neuen Palais im Park Sanssouci (SPSG, GK II [5] 3485, 3486, 3487). Das vierte Motiv stellte den Marmorsaal im Potsdamer Stadtschloss dar. Eine von Waldau ebenfalls signierte und im Bildausschnitt nahezu identische Wiederholung der Ansicht vom Weißen Saal in Öl auf Leinwand (80 x 60,5 cm) befindet sich in der Gemäldesammlung der SPSG (GK I 51178). Die künstlerische Entwicklung der Architekturmalerin Grete Waldau begann in ihrer Heimatstadt Breslau, wo sie 1868 geboren wurde und bis 1891 nachzuweisen ist. Zu ihren Lehrern gehörten u. a. Karl Wilhelm Streckfuß in Berlin sowie die Brüder Lorenz und Paul Ritter in Nürnberg. 1902 siedelte sie nach Berlin über. Grete Waldau galt in weiten Kreisen als gefragte und geschätzte Künstlerin. Sie wurde vor allem für ihre Monumentalgemälde gefeiert, die sie in ganz Deutschland in öffentlichen Bauten ausführte. Auf den Weltausstellungen in Paris 1900 und St. Louis 1904 erhielten ihre Werke goldene und silberne Medaillen. Anders urteilte der Senatsausschuss der Berliner Akademie der Künste, der im Dezember 1908 ein Unterstützungsgesuch der Malerin ablehnte, weil sie „[…] nach den bisherigen Leistungen zu urteilen, nicht im stande sei ein Werk von künstlerischer Bedeutung zu schaffen.“ (PrAdK, I/0339, Bl. 27f.) Grete Waldau starb 1951 in Berlin. Evelyn Zimmermann Aus der Aquarellsammlung, K 44. Signiert u. l.: Grete Waldau

Objektart Aquarell
Maße Darstellung: Höhe: 29.30 cm Breite: 22.50 cm - Träger: Höhe: 35.50 cm Breite: 28.50 cm
Material Papier, Aquarell
Inventarnummer GK II (5) 3485
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

Dieses Objekt im Museum

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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