Pfauder, Wolfgang (2021) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Ein schlafendes Kind liegt auf einer Wiese zwischen zwei hohen geflochtenen Blumenkörben. Aus den Körben wachsen links eine Lilien- und rechts eine Rosenblüte mit Mädchenköpfen empor. Über dem Kind thront auf einem Hügel ein himmlisches Wesen in Gestalt einer jungen Frau, das auf einer Lyra spielt. Sein Haupt ist von Sternen umgeben, sein mit wenigen Strichen angedeutete Schleier breitet sich schützend über die Szene aus. Das Blatt gehört zu einer Gruppe von neun Zeichnungen im Hochformat, die auf ein gleichartiges farbiges Untersatzpapier kaschiert sind und eine von derselben Hand geschriebene Betitelung tragen. Die Motive deuten auf einen inhaltlichen Zusammenhang hin und könnten Stationen des sich unter dem Schutz der Kirche vollziehenden Erkenntnis- und Lebensweges eines Knaben vom Kind zum gereiften Mann darstellen. Gefestigt im christlichen Glauben wird er nach seinen Lehr- und Wanderjahren in den Bund der Ehe eintreten. Eine literarische Vorlage ließ sich bisher nicht identifizieren. Vermutlich handelt es sich um Zeichnungen, die im Kontext einer Aufführung „Lebender Bilder“ entstanden sind. Das Stellen von "tableaux vivants" war im 19. Jahrhundert eine sehr verbreitete Form künstlerischer Unterhaltung bei festlichen Anlässen. Caroline Bardua besaß eine besondere Erfindungsgabe für derartige Inszenierungen. Auch für das vom Berliner Kaffeter-Verein am 29. März 1845 im Hause des Staatsministers von Savigny gestaltete Fest für den König besorgte der „Altmeister Bardolio“, so Carolines Name im Verein der Kaffeologen, eine Aufführung „Lebender Bilder“, deren Inhalt im Einzelnen nicht überliefert ist. Die Mitwirkende Maximiliane von Arnim erinnerte sich später an dieses Ereignis: „ich musste mich gewöhnen, „als Lilie aus einem grünen Blätterkelch herauszuwachsen – das war ein ganz origineller Einfall, dass bei dem einen der „Lebenden Bilder“ mehrere junge Mädchen als lebende Blumen, aus großen Gartenkörben herauswachsend, figurierten.“ (Weber, 1937, S. 144). Im Anschluss an die Aufführung kam es zu einer Begegnung zwischen dem Königspaar und der Bardua, der für ihr Einfallsreichtum gedankt wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass die Zeichnungen im Zusammenhang mit dem „Fest für den König“ entstanden und in dessen Folge Aufnahme die königliche Sammlung fanden. Hier vermutlich die erste Szene. Claudia Sommer Aus dem Besitz König Friedrich Wilhelms IV. und der Königin Elisabeth von Preußen Unsigniert / Bezeichnet nachträglich von fremder Hand: C. Bardua Unpubliziert (nicht im Werkverzeichnis)

Objektart Aquarell
Maße Darstellung: Höhe: 58.80 cm Breite: 46.50 cm - Träger: Höhe: 59.50 cm Breite: 46.80 cm
Material Papier, Bleistift
Inventarnummer GK II (5) 160
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

Dieses Objekt im Museum

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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Folge von neun Zeichnungen, vermutlich Darstellungen einzelner Szenen für eine Aufführung "Lebender Bilder"

Folge von neun Zeichnungen, vermutlich Darstellungen einzelner Szenen für eine Aufführung "Lebender Bilder"