Tischuhr
Beschreibung
Das hochrechteckige, mit poliertem Birkenholz furnierte Nadelholzgehäuse besteht aus einem hohen Sockel auf einer Basisplatte und einem quadratischen Kasten mit dem Uhrwerk. Der getreppte Aufsatz bildet die Bekrönung. Der Rahmen vor dem Zifferblatt (heute ohne Glas) und die Außenkanten der Basisplatte sind schwarz poliert. Die nicht furnierte Rückfront des Gehäuses ist mit einer Tür versehen, die Zugang zum Uhrwerk bietet. Als Scharniere dienen braune Lederstreifen, die auf das Gehäuse und Türblatt genagelt sind. Auf der Türinnenseite ist das Schallloch mit einem orangefarbenem Wollmischgewebe mit Blumenmuster abgedeckt. Das weiße Emailzifferblatt ist aus zwölf trapezförmigen Teilen und einem runden Mittelfeld (Treize-Pièces-Zifferblatt) zusammengesetzt. Auf den Trapezformen sind große römische Stundenziffern, kleinere arabische Fünfminutenziffern und eine Minuterie mit Strichen und Punkten in schwarzer Farbe aufgemalt. Das runde Mittelfeld ist bezeichnet mit „MARTIN A PARIS“. Die Aufzugslöcher liegen vor den Ziffern IIII (bei Uhren eine übliche Darstellung der römischen Ziffer 4) und V sowie VII und VIII. Die Fleur-de-lys-Messingzeiger sind ziseliert und feuervergoldet. Das viereckige Messingplatinenwerk ist mit einem Schlossscheibenschlagwerk auf einer Glocke ausgestattet. Der Antrieb erfolgt über ein Messingpendel mit Fadenaufhängung. Das Zifferblatt ist in die Zeit von 1750 bis 1770 zu datieren, in der es technisch noch nicht möglich war, größere Flächen zu emaillieren. Mit dem Treize-Pièces-Zifferblatt der Bodenstanduhr von Louis George von 1780 (Inv. Nr. V 214 E) besitzt das Museum Eberswalde ein weiteres bedeutendes Beispiel. Welcher Uhrmacher sich hinter dem Namen Martin verbirgt, konnte bisher nicht geklärt werden. Tardy verzeichnet mehrere Uhrmacher gleichen Namens, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris wirkten. Die strenge kubische Form des Uhrgehäuses ohne zusätzliche Ornamentik und die Farbkontraste zwischen hellen und ebonisierten Holzfurnieren sind typisch für die Berliner Möbelbaukunst des Biedermeier bis 1830. Die Zweitverwendung eines Zifferblattes des 18. Jahrhunderts in einem Gehäuse der Biedermeierzeit lässt vermuten, dass es dem Besitzer lieb und teuer war. Die Uhr stammt aus dem Nachlass von Auguste von Schroeder und wurde 1968 dem Museum Eberswalde übergeben. Ihr Vater Hans Gottlieb Friedrich Schroeder, in den 1880er Jahren geadelt, war Gutsherr auf Braunsfelde im Kreis Friedeberg in der Neumark (heute Bronowice in Polen), ihre Mutter Sophie eine geborene von Bojanowsky. Da Mitglieder der Familie von Bojanowsky in Eberswalde ansässig waren, übersiedelten Mutter und Tochter nach Kriegsende 1945 dorthin und wohnten in der Schneiderstraße 10. Ob die Tischuhr aus Braunsfelde oder aus einem der Haushalte der Bojanowskys stammt, konnte bisher nicht ermittelt werden. (Silke Kreibich)
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Dieses Objekt im Museum
Die ehemalige Adler-Apotheke ist das älteste Fachwerkhaus der Stadt und eines der bedeutendsten Baudenkmale im Land Brandenburg. Sie beherbergt die städtischen Einrichtungen Kulturamt, Tourist-Information und Museum. In den drei Geschossen des Haupthauses sowie in dem über den Innenhof zu erreichendem Nordflügel werden Dauer- und Sonderausstellungen zur Haus-, Stadt- und Regionalgeschichte präsentiert. Unterschiedliche öffentliche und museumspädagogische Veranstaltungen ergänzen das Angebot des Museums. Unter anderem wird in der Dauerausstellung eine Reproduktion des Eberswalder Goldschatzes, des größten Fundes von Gold aus der Bronzezeit in Europa, gezeigt sowie Eberswalder Ideen, Erfindungen und Persönlichkeiten vorgestellt. Das Museum ist ganzjährig geöffnet, barrierefrei besuchbar und zeigt die Geschichte der Stadt Eberswalde, ihren Aufstieg zu Wiege der preußischen Industrie und Forstgeschichte. Dabei nutzt das Museum seine seit 1905 geführte Sammlung mit mehr als 25.000 Objekten, die seit 2023 erstmals sach- und fachgerecht in einem Depot lagert. Rund 1.300 Objekte sind in der Dauerausstellung zu sehen. Ein Besuch des Museums lohnt sich für Jung und Alt.










