Kienzle/Oberhammer GbR CC BY-NC-SA
Kienzle/Oberhammer GbR CC BY-NC-SA

Beschreibung

Das Gehäuse aus feuervergoldetem Messingguss gliedert sich in einen zweistufigen, oblongen Sockel auf ziselierten Ballenfüßen und einen hochrechteckigen Kasten mit dem Uhrwerk. Reliefs, Appliken und vollplastische Figuren zieren die Schauseiten. Frontseitig über dem Palmettenfries des Sockels ist eine Landschaft mit Palmen und Laubbäumen abgebildet. Zwei Bildelemente beherrschen die Szene: Die in einem antiken Gewand (Chiton) gekleidete Frau, scheinbar schlafend an einem Stein gelehnt, und eine mit Blütengirlanden geschmückte Herme vor einer Säulenarchitektur. Der Oberkörper der Frau ist von ihr aus gesehen nach links gedreht. Ihr Kopf ruht tief auf ihrem linken Arm, ihr rechter Arm auf ihrem linken Bein. Sie wird überfangen von einem windgeblähten Tuch. Zu ihrer Linken wacht ein Hund. Ihnen gegenüber steht die steinerne Herme vor einem Tempel. Auf der Deckplattes des Sockels und dem Kasten mit dem Uhrwerk sind vollplastische Figuren und Appliken im Halbrelief angebracht: Neben dem Kasten steht ein Mädchen in einem antiken, knielangen Kleid. Sie hat die Amphore zum Wasserholen auf den Kasten neben einem blütenbekränzten Lamm abgestellt. In ihrem linken Arm trägt sie ein Tuch mit Früchten und reicht mit ihrer rechten Hand dem Lamm einen Apfel. An der anderen Schmalseite des Kastens sitzt ein Fischkopf, der Wasser in das halbrunde Becken speit. Auch der Kasten mit dem Uhrwerk ist reich verziert: Die Zwickelfelder schmücken unten zwei Schwäne an einer Trinkschale und oben zwei Füllhörner. Auf das flache Zifferblatt im Palmettenkranz sind römische Stundenziffern und eine Minuterie aus Strichen (bei den Fünfminuten etwas verstärkt) mit schwarzer Farbe aufgemalt. Das guillochierte Mittelfeld zeigt Wellenmuster und eine sternenförmige Rosette. Die Breguet-Zeiger sind aus gebläutem Stahl. Die Aufzugslöcher liegen vor den Ziffern IIII (bei Uhren eine übliche Darstellung der römischen Ziffer 4) und VIII. Das runde Messingplatinenwerk im Kasten besitzt ein Schlossscheibenschlagwerk auf einer Glocke und ein Messingpendel mit Fadenaufhängung. Uhren dieser Art fertigten Uhrmacher und spezialisierte Handwerker in Paris in Arbeitsteilung und großer Stückzahl bis etwa 1820. Beispiele finden sich europaweit in Museen, so auch eine nahezu identische Pendule im Mainfränkischen Museum in Würzburg. Allen Pendulen gleich sind der Aufbau der Gehäuse aus unterschiedlich großen Kuben und die Darstellung mythologischer und romantisch-bukolischer Themen. Die Sockelszene der Eberswalder Tischuhr verweist auf die mythologische Geschichte von Ariadne und Dionysos. Nachdem Theseus die schlafende Ariadne allein auf der Insel Naxos zurückgelassen hatte, rettete sie Dionysos. Hier ist er als blütengeschmückte Herme dargestellt. Gleichwohl ist das Bildthema nicht so eindeutig zu identifizieren, wie es auf dem ersten Blick erscheint. Der Hund dürfte Teil einer anderen Geschichte sein, der von Cephalus und Procris. Wie in Ovids Metamorphosen beschrieben, zweifelte Procris an der Treue ihres Gemahls und spionierte ihm bei der Jagd nach. Dabei tötete Cephalus sie versehentlich. Die unnatürlich gedrehte Haltung und das tief gesunkene Haupt der Frau könnten darauf hinweisen, dass hier Procris leblos dargestellt ist. Der treue Hund an ihrer Seite wäre demnach Lailaps, den sie einst Cephalus schenkte. Eine ähnliche Szene zeigt das Gemälde von Piero di Cosimo um 1495, wo Lailaps und ein Satyr die tote Procris betrauern. In der Szene auf der Pendule ist es Dionysos selbst. Die Geschichte von Cephalus und Procris ist als eine Warnung vor der Eifersucht zwischen Mann und Frau zu verstehen und macht diese Pendule zu einem idealen Hochzeitsgeschenk. Feuervergoldete Pendulen wurden gewöhnlich mit Glasstürzen vor Staub und Oxydation geschützt. Diese Uhr war offensichtlich über die Jahre ohne Glashaube aufgestellt und zu einem bisher nicht bekannten Zeitpunkt unsachgemäß gereinigt worden. Die Ziffern des Zifferblattes sind teilweise verwischt und die originale Feuervergoldung ist an mehreren Stellen abgerieben. Der rückseitige Gehäusedeckel, eine Schleife vom langen Stab und ein Amphorenhenkel fehlen. Das Museum Eberswalde erwarb 1955 die Pendule von Richard Rieger, der bis zu seinem Tod 1962 in Eberswalde lebte. (Silke Kreibich)

Objektart Pendule
Maße Gehäuse: Höhe 40 cm, Breite 29 cm, Tiefe 10 cm; Zifferblatt: Durchmesser 8 cm
Material Messing, Stahl, Feuervergoldung
Inventarnummer Inv-Nr. V 215 E
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Mainfränkisches Museum Würzburg, Inv.-Nr. S. 66165, Pendule Museum Eberswalde CC BY-NC-SA

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Museum Eberswalde

Die ehemalige Adler-Apotheke ist das älteste Fachwerkhaus der Stadt und eines der bedeutendsten Baudenkmale im Land Brandenburg. Sie beherbergt die städtischen Einrichtungen Kulturamt, Tourist-Information und Museum. In den drei Geschossen des Haupthauses sowie in dem über den schönen Innenhof zu erreichenden kleinen Nordflügel präsentiert das Museum mit seinen in mehr als 100 Jahren gewachsenen Sammlungen Dauer- und Sonderausstellungen zur Haus-, Stadt- und Regionalgeschichte. Unterschiedliche öffentliche und museumspädagogische Veranstaltungen begleiten die Ausstellungen. Zu den attraktivsten Ausstellungsexponaten zählen die Nachbildungen von 81 Teilen des bronzezeitlichen Eberswalder Goldschatzes. Von Dezember 2011 bis vorauss. September 2013 wird das Museum umgebaut und die Dauerausstellung neu und vor allem barrierefrei gestaltet. Das Fachwerkgebäude erhält einen modernen Anbau mit Fahrstuhl und Treppenhaus. In dem Neubau wird neben dem Museumseingang auch der Museumsshop mit Information untergebracht sein, der einen aktuellen Service zu Kultur und Tourismus der Stadt und der Reiseregion "Barnimer Land" bietet.

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