Kiesant, Silke (24.6.2019) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Das besonders bei Malern des 16. und 17. Jahrhunderts beliebte mythologische Thema beruht auf einer Geschichte in Ovids „Metamorphosen“ (Buch 1). Zeus verwandelte seine Geliebte Io, eine Nymphe und Priesterin der Göttin und eifersüchtigen Zeus-Gattin Hera, in eine weiße Kuh. Hera ließ sich die Kuh schenken und von dem hundertäugigen Riesen Argus bewachen. Um Io zu befreien, entsandte Zeus den Götterboten Hermes (in der römischen Mythologie: Merkur). Dieser verkleidete sich als Hirte und schläferte Argus mit seinem Flötenspiel ein. Hier beobachtet Merkur, noch ruhig, aber angespannt sitzend, gerade aufmerksam, dass Argus eingeschlafen ist. Im nächsten Moment wird er sein Schwert aus der Scheide ziehen, um ihn zu töten. Das Originalmodell von Bertel Thorvaldsen (1770-1844), zu dem der Bildhauer vielleicht durch die antiken Sitzstatuen des "Sitzenden Hermes" oder "Schlafenden Faun" angeregt wurde, stammt aus dem Jahr 1818. Ein Jahr später bestellte es Christian Carl Friedrich August Herzog von Augustenburg in Marmor, kaufte es nach der Vollendung 1822 aber doch nicht an. Die Statue ging schließlich an den englischen Bankier Alexander Baring, den späteren Lord Ashburton (heute: Kopenhagen, Thorvaldsen-Museum). 1829 wiederholte Thorvaldsen die Statue für den Grafen Arthur Potocki, der sie auf seiner Romreise für Schloss Krzeszowice bei Krakau erwarb (heute: Krakau, Nationalmuseum). Eine weitere Fassung (wegen eines Marmorfehlers ohne Hut) verblieb beim Bildhauer und gelangte erst 1849 nach Madrid (heute: Madrid, Prado). Das Motiv des „Merkur als Argustöter“ wurde mehrfach auch in kleinem Format in anderen Materialien umgesetzt, so beispielsweise in Bronze oder Biskuitporzellan. Der Potsdamer Bronzeguss mit der Bezeichnung „Coüé. 1824“ geht auf das Modell von Emil Wolff (1802-1879) zurück. Johann Gottfried Schadow, Onkel von Wolff, teilte seinem in Rom lebenden Sohn Ridolfo in einem Brief vom 24. Juli 1821 mit: „Emil hat eine Kopie des Mercur von Thorwaldsen angefangen, es ist eine Spekulation wozu Louis W. [wohl der Bildhauer Ludwig Wichmann – S.K.] das Geld geben will, es soll in Bronze werden.“ Und in dem Brief vom 13. Oktober 1821 meldete Vater Schadow an Ridolfo: „Emil ist fertig mit dem Mercur von Thorwaldsen (...).“ (Zentralarchiv SMB PK, Nachlass R. Schadow, Nr. 217: Briefe Gottfried an Ridolfo Schadow, unfol.). Der Bronzeguss wird 1824 durch Jean-Honoré Gonon (1780-1850) umgesetzt, von F. Louis Coué (1784-1840) ziseliert und noch im selben Jahr auf der Ausstellung der Akademie der Künste gezeigt, wie der Katalog unter den „Ciselir=Arbeiten von Coué“ vermerkt: „380. Merkur, nach Thorwaldsen von Emil Wolf, gegossen von Hon. Gonon.“ Der Ankauf durch das preußische Königshaus erfolgte ebenfalls 1824. Noch heute befindet sich die Plastik auf der Terrasse von Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci in Potsdam. Silke Kiesant

Objektart Statue
Maße Hauptmaß: Höhe: 117.00 cm
Material Bronze
Inventarnummer Skulpt.slg. 26
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:03
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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