Hackert, Jakob Philipp: Hofrat Johann Friedrich Reiffenstein, wohl 1770er Jahre
Beschreibung
Hofrat Johann Friedrich Reiffenstein war für Hackert seit seiner Ankunft in Rom der wichtigste Förderer, der ihn überall bekannt machte, und bald sein engster Freund und Vertrauter wurde, er war eine Generation älter als Hackert. Als Reifenstein am 6. Oktober 1793 starb, schrieb Hackert in einem Brief vom 15. Oktober aus Neapel an seinen Freund den Grafen Dönhoff: "Mit der Größten Begrübniß muß ich Ihnen den Großen Verlust unseres lieben alten Freundes Reiffenstein melden. d. 6.n. dises [Monats] verließ er die Weld, daß Podaga war ihm in die Brust gestiegen und ein Blutsturz Endigte sein Leben. Disen wahren Rechtschaffenen tugendhaften Freund werde ich bis an mein Ende bedauern, den er ist unersetzlich." (Nordhoff 2012 S. 144f.) Der Tod des Hofrates wurde von den deutschen Künstlern in Rom mit Bestürzung wahrgenommen, Hackert war von diesen der ihm am nächsten stehende. Es handelt sich um eine seltene Personenstudie des Künstlers. Reiffenstein ist sitzend nach links dargestellt, der linke Arm auf die Lehne gelegt und die Hand dann in die Hüfte gestemmt, was dem Sitzenden Dynamik verleiht. Nur die Umrisslinien der Person sind in klassizistischer Manier gezeichnet, mit dünnen verworfenen Vorzeichnungen mit dünnem Bleistift im Bereich des Stuhlbeins. Ob es sich um eine Zeichnung nach der Natur handelt, ist unsicher. Sie war sicher für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Bezeichnet re. u. mit Bleistft von fremder Hand. "Ph. Hackert.", alt zwischen zwei Glasscheiben verklebt und damit die Rückseite nicht lesbar, für die Claudia Nordhoff 2012 (Abb. 5, S. 723) die (Fremd?)bezeichnung "Portrait des Hofrats Reiffenstein" überliefert. Re.o. ein brauner Fleck, das Blatt leicht gebräunt, ansonsten durch die staubsichere Verglasung, die im frühen 20. Jahrhunderts im Prenzlauer Museum der Auffassung der Zeit gemäß erfolgte, gut geschützt. Das Blatt befindet sich in der ständigen Ausstellung des Museum Prenzlau. Alter Bestand, vor 1945 in der Sammlung des Prenzlauer Museums. Literatur: Briefe 1786-1811. Jakob Philipp Hackert, kommentiert und herausgegeben von Claudia Nordhoff, Göttingen 2012 (In das Werkverzeichnis von 1994 hat Claudia Nordhoff diese Zeichnung nicht aufgenommen).
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Dieses Objekt im Museum
Das Museum befindet sich im ehemaligen Dominikanerkloster, einer der besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Nordostdeutschland. Der gesamte Kreuzgangbereich sowie Teile des ersten Obergeschosses werden museal genutzt, Friedgarten und Refektorium außerdem für Festveranstaltungen und Konzerte. Ein moderner Galerieraum wurde 2011 im angrenzenden ehemaligen Waschhaus eröffnet. Das Kloster hat sich seit der umfassenden Sanierung 1997-1999 zu einem für die Region bedeutenden Kulturstandort entwickelt. Es vereinigt unter seinem Dach das Kulturhistorische Museum, das Historische Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und das Veranstaltungszentrum "Kulturarche". Der Besucherservice mit Ladengalerie bietet touristische Informationen und Veranstaltungstickets. Das Museum hat aufgrund seiner weit über 100-jährigen Geschichte - trotz erheblicher Kriegsverluste - einen großen Sammlungsbestand zur Stadt- und Regionalgeschichte. Schwerpunkte bilden die Kloster- und Kirchengeschichte mit sakralen Objekten der Region und herausragenden archäologischen Funden aus dem Kloster Seehausen, die mittelalterliche Stadtentwicklung, das Zunftwesen, die Rolle Prenzlaus als preußische Garnisonsstadt und die mannigfachen Brüche in der Geschichte der Stadt sowie eine kleine Schau zum hier geborenen Maler und Goethefreund Jakob Philipp Hackert. Mehrere Sonderausstellungen jährlich und Projekte im Rahmen von "Kulturland Brandenburg" sind mehr als nur eine Ergänzung.

