Schirmer, August Wilhelm: Mitteltorturm und Heiliggeistkirche in Prenzlau, 9. September 1834
Beschreibung
Die Zeichnung zeigt eine in den Details mit großer Akribie ausgeführte Studie des Prenzlauer Mitteltorturms, der Brücke über den Neustädter Graben (auch Mitteltor-Graben genannt), einiger Fachwerkgebäude und der sich dahinter erhebenden Heiliggeistkapelle. Detailliert sind Spuren des Verfalls wie fehlende Dachziegel oder Steine vermerkt, jeder Sache ist eine sich in den Details geradezu verselbständigende Struktur gegeben, vor allem punktuelle Dunkelheiten springen entgegen, die Darstellung ist menschenleer. Diese lineare Nutzung eines harten Bleistiftes verrät die Schulung des Künstlers in der Berliner Porzellanmanufaktur und ein Bestreben dem Thema mit den klassizistischen Mitteln der Linie, wie sie durch die Nazarener zu einem Stilmerkmal der deutschen Zeichenkunst wurden, beizukommen. Diese Stilrichtung allerdings war 1834 bereits im Abflauen und diese geradezu penetrante Anwendung muss als eine bewusste Gegenreaktion etwa zu dem genialischen Carl Blechen und seinem explosiven Zeichenstil verstanden werden. Im August und September 1834 weilte August Wilhelm Schirmer einige Wochen beim Grafen von Arnim in Boitzenburg und besuchte von dort aus auch das nahegelegene Prenzlau. Aus dieser Zeit sind bisher keine Werke des Künstlers bekannt, deshalb bekommt diesen hier erstmals publizierten Blättern eine besondere Bedeutung zu. Die Zeichnung ist an drei Seiten von einer Linie gerahmt und in der Darstellung bezeichnet li. u. Monogramm "AWS", darunter "Prenzlau d 9 t September 1834.". Sie ist als Altbesitz des Prenzlauer Museums anzusehen, es ist unbekannt, wie die vier Zeichnungen des Künstlers an das Museum kamen, vermutlich über die Familie von Arnim, an die sie der Dank des Künstlers für die Gastfreundschaft waren. Die Zeichnung waren hinter einer Glasscheibe gerahmt, punktuell auf ein Unterpapier geklebt und dahinter noch mit einem säurehaltigen Rückkarton gesichert und mit schwarzem Schirting verklebt. (Abb. 1 Vorderseite, Abb. 2 Rückseite) Schon zuvor muss diese Zeichnung (wie zwei ähnliche V 3324 K2 und V 3326 K2) lange ungeschützt aufbewahrt worden sein, denn die Zeichnung ist stark verschmutzt, fleckig vor allem unten und stark abgerieben. 2022 wurde diese Zeichnung aus dem Glas entrahmt, wodurch der Grad der Beschädigung in vollem Umfang sichtbar wurde. (Abb. 3 Vorderseite, Abb. 4 Rückseite) Die punktuelle Verklebung auf einem weiteren Unterpapier (rücks. bezeichnet Mi. u. "Prenzlau / Pulverturm mit Katharinen Kapelle") rief Verwerfungen hervor. Die Zeichnung wurde zunächst vorsichtig trocken gereinigt. (Abb. 5 Vorderseite, Abb. 6 Rückseite) Anschließend erfolgte nach Abstimmung eine vorsichtige Lösung von diesem Unterpapier. Durch vorsichtiges Wässern konnten Verbräunungen und Flecken leicht reduziert werden. Beim abschließenden Glätten wurden die Verwerfungen behoben. (Abb. 7 Vorderseite, Abb. 8 Rückseite) Das Blatt wurde freigestellt in ein säurefreies Passepartout gebracht. Literatur: Iris Berndt, Carl Bellermann als Schüler von Carl Blechen (Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte Bd. 73, im Druck)
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Dieses Objekt im Museum
Das Museum befindet sich im ehemaligen Dominikanerkloster, einer der besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Nordostdeutschland. Der gesamte Kreuzgangbereich sowie Teile des ersten Obergeschosses werden museal genutzt, Friedgarten und Refektorium außerdem für Festveranstaltungen und Konzerte. Ein moderner Galerieraum wurde 2011 im angrenzenden ehemaligen Waschhaus eröffnet. Das Kloster hat sich seit der umfassenden Sanierung 1997-1999 zu einem für die Region bedeutenden Kulturstandort entwickelt. Es vereinigt unter seinem Dach das Kulturhistorische Museum, das Historische Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und das Veranstaltungszentrum "Kulturarche". Der Besucherservice mit Ladengalerie bietet touristische Informationen und Veranstaltungstickets. Das Museum hat aufgrund seiner weit über 100-jährigen Geschichte - trotz erheblicher Kriegsverluste - einen großen Sammlungsbestand zur Stadt- und Regionalgeschichte. Schwerpunkte bilden die Kloster- und Kirchengeschichte mit sakralen Objekten der Region und herausragenden archäologischen Funden aus dem Kloster Seehausen, die mittelalterliche Stadtentwicklung, das Zunftwesen, die Rolle Prenzlaus als preußische Garnisonsstadt und die mannigfachen Brüche in der Geschichte der Stadt sowie eine kleine Schau zum hier geborenen Maler und Goethefreund Jakob Philipp Hackert. Mehrere Sonderausstellungen jährlich und Projekte im Rahmen von "Kulturland Brandenburg" sind mehr als nur eine Ergänzung.
















