Hackert, Jakob Philipp: Blick auf den Garten des Palazzo Barberini in Rom, 1769
Beschreibung
Diese kleine Zeichnung von Jakob Philipp Hackert ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich und man möchte dies mit der Begeisterung des Künstlers in den ersten Wochen seines Rom-Aufenthaltes 1769 in Zusammenhang bringen. Dargestellt ist wie Claudia Nordhoff auch beschreibt, ein Blick auf den Garten des Palastes Barberini von der Salita di S. Nicol`lo da Tolentino, die antike Statue fast in der Bildmitte zeigt den Gott Apoll sitzend, eine Hand erhoben, die andere eine Lyra greifend. Das Besondere ist nun die steile Untersicht aus einer völlig unbekannten Seite, mehr die Sicht in den Garten sperrend als ermöglichend. Dadurch erhält Apoll geradezu einen Herrschergestus - der Gott der Künste als der Wegweiser des jungen Malers? Die Darstellung ist menschenleer, den Vordergrund bildet die nach links in die Tiefe führende Mauer, an der etwas Blattwerk emporrankt. Ganz vorn aber, gleich hinter dieser Mauer schaut man über diese auf ein völlig kaputtes löcheriges Strohdach, ein Thema eher der holländischen Genremalere denn der ehrfurchtgebietenden römischen Vedutenmalerei. Dorthin, auf dieses löcherige Strohdach schaut auch Gott Apoll hinab, dafür den Kopf leicht zum Betrachter wendend. Dafür muss er aus dem Garten hinaus über eine von Hackert verschattet wiedergegebene Mauer hinwegsehen, aus seinem Reich auf einen offenbar ganz wüsten Winkel. In Apolls Reich dagegen erheben sich übermannshohe Hecken, die auch die dunkle Mauer überragen, rechts erhebt sich aus dieser ein eingeschossiger schmaler Bau mit Fenster, dessen Funktion unklar bleibt. Bezeichnet ist das Blatt li. u. in der Darstellung mit grauer Tinte "Villa Barbarini / in Roma", re. u. (mit etwas anderer Handschrift, auch grauer Tinte) "Filippo Hackert. 1764." Da Hackert 1764 noch nicht in Rom war, ist wohl diese Zahl am Ende als 9 zu lesen oder später falsch hinzugesetzt. Die so wunderbar freie Skizze Hackerts, mit raschem Strich über einer Bleistiftnotiz mit Feder und Pinsel gearbeitet, ist in der Ausstellung des Prenzlauer Museums freigestellt in Passepartout, gerahmt. Links in der Ecke ist eine Knickfalte, die rechte obere Ecke weist ebenfalls einen leichten alten Knick auf, links oben schlägt ein alter Klebefleck durch. Das Blatt wurde 1974 für das Prenzlauer Museum erworben. Literatur: Claudia Nordhoff, Jakob Philipp Hackert (1737-1807). Verzeichnis seiner Werke, 2 Bände, Berlin 1992, Nr. 595 (S. 247) verzeichnet als Bleistiftzeichnung, die von ihr genannten Maße 19.9 x 28, cm fanden sich nicht bestätigt (ohne Abb.).
| Handzeichnung | |
| Rahmenmaße: Höhe 40,5, Breite 56,4 cm; Blattgröße: Höhe 19,3 cm, Breite 24,0 cm | |
| Feder und Pinsel in grau, laviert auf Velin | |
| V 0367 K2 | |
| 2025-02-05 21:23:49 | |
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Dieses Objekt im Museum
Das Museum befindet sich im ehemaligen Dominikanerkloster, einer der besterhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Nordostdeutschland. Der gesamte Kreuzgangbereich sowie Teile des ersten Obergeschosses werden museal genutzt, Friedgarten und Refektorium außerdem für Festveranstaltungen und Konzerte. Ein moderner Galerieraum wurde 2011 im angrenzenden ehemaligen Waschhaus eröffnet. Das Kloster hat sich seit der umfassenden Sanierung 1997-1999 zu einem für die Region bedeutenden Kulturstandort entwickelt. Es vereinigt unter seinem Dach das Kulturhistorische Museum, das Historische Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und das Veranstaltungszentrum "Kulturarche". Der Besucherservice mit Ladengalerie bietet touristische Informationen und Veranstaltungstickets. Das Museum hat aufgrund seiner weit über 100-jährigen Geschichte - trotz erheblicher Kriegsverluste - einen großen Sammlungsbestand zur Stadt- und Regionalgeschichte. Schwerpunkte bilden die Kloster- und Kirchengeschichte mit sakralen Objekten der Region und herausragenden archäologischen Funden aus dem Kloster Seehausen, die mittelalterliche Stadtentwicklung, das Zunftwesen, die Rolle Prenzlaus als preußische Garnisonsstadt und die mannigfachen Brüche in der Geschichte der Stadt sowie eine kleine Schau zum hier geborenen Maler und Goethefreund Jakob Philipp Hackert. Mehrere Sonderausstellungen jährlich und Projekte im Rahmen von "Kulturland Brandenburg" sind mehr als nur eine Ergänzung.

