Anders, Jörg P. (1970-1999) CC BY-NC-SA

Beschreibung

Der Maler Eduard Gaertner war mit seinen brillanten Stadtveduten ein herausragender Chronist des biedermeierlichen Berlins. Das Panorama Berlins vom Dach der Friedrichswerderschen Kirche ist eines seiner Hauptwerke. In seiner Detailfreude vermittelt es eine lebendige Vorstellung vom Leben in der Stadt im Jahr 1834. Das Dach der kurz zuvor fertig gestellten Kirche bot einen ausgezeichneten Standort für einen Rundblick über die Wohn- und Prachtbauten Berlins und gehörte schon bald zu den touristischen Zielen der Stadt. Das Panorama übernimmt diesen Standpunkt in einem perspektivischen Kunstgriff und lenkt den Blick der Betrachter:innen auf die Bauten des damaligen Stadtzentrums. Bedeutende Persönlichkeiten der Stadt haben sich im Bild auf dem Dach der Friedrichswerderschen Kirche versammelt, unter anderem der Oberbaudirektor und Architekt Karl Friedrich Schinkel, der gemeinsam mit Peter Beuth die Fortschritte beim Bau der Bauakademie beobachtet. Aber auch der Maler selbst begriff sich als Teil der lebendigen Stadt. Am linken Bildrand verewigte er sich mit Skizzenheft und Stift in Händen, während ihm seine Ehefrau mit ihrem jüngsten Sohn entgegenläuft. Die grüne Zeichenmappe, die hinter ihm an der Brüstung lehnt, trägt sowohl seine Signatur als auch die Datierung und den Titel des Bildes. Teil 2 des Panoramas (GK I 6179) zeigt den Naturforscher Alexander von Humboldt an einem Fernrohr stehend. Gaertners Panorama zeigt Berlin in einer Phase der Veränderung: Die einst durch die Bauten des späten 17. und des 18. Jahrhunderts geprägte Stadt veränderte in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ihr Gesicht durch die moderne Architektur Karl Friedrich Schinkels. So zeigt Teil 1 des Panoramas sowohl das traditionsreiche Berliner Schloss, als auch die gerade im Entstehen begriffene Bauakademie, das Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt und (am Horizont) das Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg, d.h. Bauten, die auf Plänen Schinkels beruhten. Teil 2 des Panoramas (GK I 6179) zeigt neben der unter König Friedrich II. von Preußen im 18. Jahrhundert entstandenen Hedwigskirche (die heutige Hedwigskathedrale), der Königlichen Bibliothek, der Oper und der Universität (das ehemalige Palais des Prinzen Heinrich), auch das wenige Jahre zuvor nach Plänen Schinkels erbaute Königliche Museum. Das Gemälde entstand im Kontext monumentaler Panoramen, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als publikumswirksames Medium der Unterhaltung und Wissensvermittlung öffentlich präsentiert wurden und ein großes Publikum anzogen. Sie zeigten unter anderem Sehenswürdigkeiten fremder Städte und geologische Besonderheiten. Im Gegensatz zu ihnen plante Gaertner das Panorama Berlins von 1834 (auf wesentlich kleinerem Format) für den privaten Gebrauch und für eine Aufstellung im Innenraum. Die zwei mal drei Teile des Winkelpanoramas erlauben es den Betrachter:innen im Innern des Panoramas zu stehen (zum zweiten Teil siehe GK I 6179). So werden sie in das Geschehen auf dem Dach der Friedrichswerderschen Kirche mit einbezogen, als wären sie ein Teil der dortigen Besuchergruppe. Ein Jahr lang arbeitete Gaertner an den Bildern – teilweise in einer hierfür angefertigten „Bude“ auf dem Dach der Kirche. In einem Notizbuch hielt er den Fortschritt an den Arbeiten fest. Noch vor der Fertigstellung konnte er König Friedrich Wilhelm III. als Käufer gewinnen, der 1836 einen Teil des Panoramas im Ovalen Saal von Schloss Charlottenburg in einem vergoldeten Rahmen im "gotischen Stil" aufstellen ließ. Durch Scharniere verbunden, waren die einzelnen Teile des Rahmens beweglich und konnten in unterschiedlichen Winkeln zueinander gestellt werden. Einige Jahre später wurden beide Teile ins Dachgeschoss des Belvedere im Charlottenburger Park verbracht. Heute wird das Panorama Berlins wieder im Schloss Charlottenburg präsentiert. Georg Friedrich Prinz von Preußen, ehemals Hohenzollernmuseum, SPSG Dr. Alexandra Nina Bauer

ObjektartGemälde
Maßeohne Rahmen: Höhe Mittelstück: 91.00 cm Breite Mittelstück: 93.00 cm Höhe Seitenstücke: 91.00 cm Breite Seitenstücke: 110.00 cm
MaterialÖl auf Leinwand
InventarnummerGK I 6178
Stand der Infomationen2025-02-05 21:23:49
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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg CC BY-NC-SA

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Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Die Hohenzollern ließen ab dem 17. Jahrhundert neben ihrer Hauptresidenz in Berlin verschiedene Schloss- und Gartenanlagen in der Havellandschaft bei Potsdam errichten. Der Gartengestalter Peter Joseph Lenné fasste im 19. Jahrhundert mehrere dieser Schloss- und Gartenensembles zu einer Kulturlandschaft zusammen, die 1990 in die UNESCO-Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Die 1995 gegründete Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) pflegt diesen Reichtum brandenburgisch-preußischer Geschichte, betreut die Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen und macht sie auf vielfältige Weise der Öffentlichkeit zugänglich. Die SPSG ist ein Zusammenschluss der nach 1945 getrennten Schlösserverwaltungen in Potsdam und West-Berlin und knüpft an die bereits 1927 im Zuge der Vermögensauseinandersetzung mit dem Haus Hohenzollern gegründete preußische Schlösserverwaltung an. Derzeit verwaltet die SPSG über 150 historische Bauwerke sowie rund 800 Hektar Gartenanlagen. Über 30 Häuser aus fünf Jahrhunderten mit ihren hochkarätigen Kunstsammlungen sind der Öffentlichkeit regelmäßig zugänglich. Dazu gehören in Potsdam u.a. das Schloss Sanssouci, die Bildergalerie, das Neue Palais und Schloss Charlottenhof im Park Sanssouci sowie das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten. In Berlin betreut die SPSG Schloss und Garten Charlottenburg, Jagdschloss Glienicke, Schloss Schönhausen und die Pfaueninsel. Hinzu kommen die märkischen Schlösser Rheinsberg, Königs Wusterhausen, Caputh und Paretz sowie das Schlossmuseum Oranienburg.

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