Büste des Johann von Buch

Kienzle/Oberhammer CC BY-NC-SA
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Beschreibung

Die bisher undatierte Bronzebüste aus dem Schloss Stolpe zeigt den bedeutenden Rechtsgelehrten Johann von Buch mit Bart und in zeitgenössischer Gelehrtentracht gekleidet.1325 erscheint seine Glosse zum Landrecht des Sachsenspiegels, mit der er erstmalig die in Bologna am römischen Recht erlernte Rechtswissenschaft auf deutsches Recht angewandt hat. Der Habitus und die Gestaltung der Büste deuten auf eine Entstehungszeit um die Jahrhundertwende hin, was genau in die Erbauungszeit der Siegesallee fällt. Zwischen 1898 und 1901 wurden für den Berliner Tiergarten zwischen dem Platz der Republik und dem Kemperplatz 32 Skulpturengruppen in weißem Marmor geschaffen. Sie stellten die Herrscher der Mark Brandenburg dar, überlebensgroße Standbilder, die jeweils zwei flankierende Büsten (prominente Zeitgenossen des jeweiligen Herrschers) zur Seite bekamen. Vergleicht man die vorliegende mit der Büste Johann von Buchs in der Figurengruppe 10 der Siegesallee, fällt eine große Ähnlichkeit auf. Ernst Herter, ein Berliner Bildhauer schuf diese Figurengruppe. Eine weitere Spur führt von der Siegesallee wieder zurück ins Museum Angermünde: Albert Manthe dessen Nachlass ebenfalls in der Sammlung des Museums Angermünde bewahrt wird, war ein überregional bekannter Bildhauer. 1847 in Angermünde geboren und zeitlebens mit der Stadt verbunden, studierte an der Berliner Akademie und war Schüler der Bildhauer August Julius Streichenberg, Hermann Schievelbein und Hugo Hagen. Nach einer Weiterbildung in London war er bis zu seinem Tod am 4. Februar 1929 in Berlin ansässig. Wie Herter wurde auch Manthe mit einer Figurengruppe für die Siegesallee beauftragt: Figurengruppe 18, Kurfürst Johann Cicero mit Eitelwolf von Stein (Humanist und kurfürstlicher Berater) und Busso von Alvensleben (Landeshauptmann). Eine These wäre, dass Manthe die Buch`sche Bronzebüste geschaffen hat, um so einem berühmten Gelehrten aus seiner Heimat ein Denkmal zu schaffen. Es könnte aber auch ein Auftragswerk der Familie von Buch sein, die bis 1945 in Stolpe ansässig waren. [ Katrin Harth ] Die Familie von Buch hatte ihren Sitz seit 1423 auf Stolpe. Die Burg war seit 1445 Ruine und wurde nicht wieder aufgebaut. Mitte des 16. Jahrhundert wurde ein Herrenhaus, später Schloss genannt, erbaut. Der berühmteste Nachfahre derer von Buch, auf dem Schloss in Stolpe geboren, ist Christian Leopold von Buch. Alexander von Humboldt nannte ihn den größten "Geognost unseres Zeitalters". Eine Reisebeschreibung von 1777 berichtet von einem Park am Stolper "Schlösschen". Adolf Friedrich von Buch (1733-1811) ließ Spazierwege entlang der Oderhänge anlegen. Die vorgefundene romantische Kulturlandschaft mit dem Turmberg nahm er in die Landschaftsparkgestaltung mit auf. Seit dieser Zeit wuchs der Landschaftspark um Stolpe als Werk mehrerer Generationen der Familie von Buch. Die Gartenhistoriker Kirsten Krepelin und Thomas Thränert forschten im Auftrag des Museums Angermünde zu dem Landschaftpark in Stolpe unter anderem im Naturkundemuseum Berlin, wo sie sich mit dem Tagebuch Leopold von Buchs auseinandersetzten. Im Kontext der Objekte aus Stolpe werden hier die Ergebnisse gezeigt (siehe Abbildungen): Die Tagebücher des Geologen Leopold von Buch (1774–1853) enthalten neben Notizen zu seinen ausgedehnten Reisen und seiner Berliner Lebenswelt auch Wahrnehmungen und Beobachtungen zu Aufenthalten auf dem elterlichen Gut in Stolpe bei Angermünde (Uckermark). Mit der Transkription werden die landschaftshistorisch für diese Region relevanten Einträge zusammengestellt und zugänglich gemacht. Onkel: Georg Leopold Vivigenz von Arnim (1747–1828) Turmberge: Standort der mittelalterlichen Burg Stolpe Pastor Krüger: Christoph Ludwig Krüger (1736–1820), Pfarrer in Steinhöfel bei Angermünde Mutter: Charlotte Philippine Juliane von Buch (1746–1810) Schwestern: Louise Philippine (1772–1807) und Charlotte Eleonore Albertine von Buch (1782–1856) Taschenberger: Familie von Stülpnagel Quelle: MfN, HBSB, N004 Nachlass Leopold von Buch Nr. 140

Objektart Skulptur
Maße H: 47 x B: 58 x 32 cm
Material Bronze, gegossen
Inventarnummer V659K
Stand der Infomationen 2023-10-05 23:55:05
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Museum Angermünde CC BY-NC-SA

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Museum Angermünde

1913 entstand als Gründung des „Vereins für Heimatkunde Angermünde“ ein Heimatmuseum. Neben Spenden von den Handwerkerinnungen und Kirchengemeinden bilden von Beginn an archäologische Funde aus dem gesamten Gebiet des Altkreises Angermünde einen Sammlungsschwerpunkt. Seit 2005 ist das Heimatmuseum mit dem 1974 entstandenen Literaturmuseum „Ehm Welk“ vereint. Der vor allem durch seinen Roman „Die Heiden von Kummerow“ bekannte Schriftsteller wurde 1884 im Angermünder Ortsteil Biesenbrow geboren und starb 1966 in Bad Doberan. In der neuen Ausstellung des Museums am neuen Standort im Stadtzentrum von Angermünde liefern Zitate und Bilder aus den Werken von Ehm Welk den „roten Faden“ zwischen den einzelnen Themen. Neben den umfangreichen heimatkundlichen und archäologischen Sammlungen verfügt das Museum über eine wertvolle Regionalbibliothek, Nachlässe des Bildhauers Albert Manthe und anderer Künstler, ein Bildarchiv, Karten und Pläne.

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